Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Hybrides Arbeiten, also die Kombination aus Arbeit vor Ort und Arbeit im Home-Office oder an dritten Orten, ist für viele Organisationen zu einem festen Bestandteil geworden. Die IAP Studie 2023 definiert hybrides Arbeiten als eine örtlich und zeitlich flexible Arbeitsform, bei der Mitarbeitende sowohl in den Räumlichkeiten der Organisation als auch ausserhalb arbeiten. (Quelle: Majkovic et al., 2023, IAP Studie 2023, S. 3)
Die Diskussion über die Auswirkungen dieser Arbeitsform ist kontrovers. Die Forschung zeigt kein einheitliches Bild, wonach hybrides Arbeiten generell produktiver oder weniger produktiv wäre. Die Auswirkungen hängen von der Art der Arbeit, den Aufgaben, der Organisation und der konkreten Gestaltung der Zusammenarbeit ab. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 4; Bloom, 2024)
Die IAP Studie mit 484 Teilnehmenden aus der Schweiz zeigt, dass hybrides Arbeiten verbreitet ist. Bei 78 Prozent der Befragten hat sich der Anteil der Arbeitszeit im Home-Office oder an dritten Orten gegenüber der Zeit vor der Corona-Pandemie erhöht. Durchschnittlich verbringen die Befragten 60 Prozent ihrer Arbeitszeit vor Ort, rund 34 Prozent im Home-Office und 6 Prozent an dritten Orten. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 7)
Die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten, wird von vielen Mitarbeitenden positiv bewertet. 77 Prozent der Befragten empfinden die Möglichkeit, zwei bis drei Tage pro Woche im Home-Office oder an dritten Orten zu arbeiten, als positiv. 87 Prozent würden bei einem Stellenwechsel nur eine Stelle wählen, bei der Home-Office möglich ist. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 10)
Produktivität im Home-Office lässt sich nicht unabhängig von den Rahmenbedingungen betrachten. Die IAP Studie verweist auf Untersuchungen, die eine Steigerung oder ein Gleichbleiben der Produktivität bei Home-Office feststellten. Gleichzeitig können weniger persönliche Begegnungen Auswirkungen auf Kommunikation, Lernen und Innovation haben. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 4–5)
Internationale Forschung kommt ebenfalls zu differenzierten Ergebnissen. Nicholas Bloom beschreibt hybride Arbeit als ein Modell, bei dem Vorteile wie weniger Pendelzeit und bessere Bedingungen für konzentriertes Arbeiten möglichen Nachteilen beim Austausch gegenüberstehen. (Quelle: Bloom, 2024, IMF Finance & Development)
Eine Untersuchung von Aksoy, Bloom, Davis, Marino und Ozguzel analysierte vollständig remote arbeitende Mitarbeitende eines Callcenters in der Türkei. Die Studie berichtet eine Produktivitätssteigerung von 10 Prozent. Die Autoren führen dies unter anderem auf eine ruhigere Arbeitsumgebung und weniger Ablenkungen zurück. Die Ergebnisse beziehen sich auf dieses konkrete Arbeitsumfeld und können nicht automatisch auf alle Tätigkeiten übertragen werden. (Quelle: Aksoy et al., 2025, NBER Working Paper 33851)
Die Zusammenarbeit innerhalb von Teams funktioniert gemäss IAP Studie insgesamt gut. 95 Prozent der Befragten geben an, sich auf die Unterstützung ihrer Teamkolleginnen und Teamkollegen verlassen zu können. Gleichzeitig berichtet rund ein Drittel von einer schwächeren Teambindung, seit mehr ausserhalb des Büros gearbeitet wird. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 15–16)
Eine Herausforderung zeigt sich beim Austausch über Teamgrenzen hinweg. 44 Prozent der Befragten geben an, über wenig Informationen zu Produktentwicklungen und Prozessoptimierungen anderer Teams zu verfügen. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 25)
Die IAP Studie zeigt, dass Innovation auch unter hybriden Bedingungen möglich ist. Gleichzeitig kann informeller Austausch durch weniger spontane Begegnungen abnehmen. Gespräche in Pausen oder zufällige Begegnungen werden als mögliche Quelle für Informationen und Ideen beschrieben. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 23–26)
Als wichtige Erfolgsfaktoren für hybrides Arbeiten nennen die Befragten eine flexible Gestaltung des Arbeitstages, den Austausch im Team, regelmässige Treffen vor Ort und die Erreichbarkeit von Kolleginnen und Kollegen. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 10–11)
Fazit: Hybrides Arbeiten ist ein Bestandteil der modernen Arbeitswelt. Die Studienlage zeigt, dass der Erfolg weniger von der reinen Wahl des Arbeitsortes abhängt, sondern von der Gestaltung von Zusammenarbeit, Führung und Austausch. Flexibilität kann Vorteile schaffen, während persönliche Begegnungen weiterhin wichtig für Teamzusammenhalt, Lernen und Innovation bleiben. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 27)
Quellen
Majkovic, A.-L., Gundrum, E., Werkmann-Karcher, B., Kornfeind, J. & Bieri, S. (2023). IAP Studie 2023: Hybrides Arbeiten – der flexible Mensch in der Arbeitswelt 4.0. ZHAW IAP.
Bloom, N. (2024). Working From Home Is Powering Productivity. IMF Finance & Development.
Aksoy, C. G., Bloom, N., Davis, S. J., Marino, V. & Ozguzel, C. (2025). Remote Work, Employee Mix, and Performance. NBER Working Paper 33851.
SRF (2023). Neue Studien zur Effizienz: Weil uns der Austausch fehlt: Homeoffice macht weniger produktiv.