Home Office

Hybrides Arbeiten: Produktiver Freiraum, oder Büro auf Abstand?

Ist zu Hause arbeiten wirklich produktiver?
Die ehrlichste Antwort lautet: Kommt darauf an, denn der Arbeitsort sollte zur Aufgabe passen.

Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Hybrides Arbeiten, also die Kombination aus Arbeit vor Ort und Arbeit im Home-Office oder an dritten Orten, ist für viele Organisationen zu einem festen Bestandteil geworden.
Die IAP Studie 2023 definiert hybrides Arbeiten als eine örtlich und zeitlich flexible Arbeitsform, bei der Mitarbeitende sowohl in den Räumlichkeiten der Organisation als auch ausserhalb arbeiten. (Quelle: Majkovic et al., 2023, IAP Studie 2023, S. 3)

Die Diskussion über die Auswirkungen dieser Arbeitsform ist kontrovers. Die Forschung zeigt kein einheitliches Bild, wonach hybrides Arbeiten generell produktiver oder weniger produktiv wäre. Die Auswirkungen hängen von der Art der Arbeit, den Aufgaben, der Organisation und der konkreten Gestaltung der Zusammenarbeit ab. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 4; Bloom, 2024)

Weniger Ablenkung, mehr Fokus

Gerade bei Aufgaben, die Konzentration erfordern, kann Homeoffice seine Stärken ausspielen.

Keine Gespräche am Nachbartisch. Kein kurzer Zwischenruf. Keine fünfminütige Frage, die sich plötzlich zu einem 30-minütigen Gespräch entwickelt. Keine spontane Besprechung, weil gerade alle zufällig in der Kaffeeküche stehen.

Das gilt beispielsweise für:

  • konzeptionelle Aufgaben
  • Schreiben und Erstellen von Inhalten
  • Auswertungen und Analysen
  • Programmier- oder Entwicklungsarbeit
  • Projektplanung
  • Aufgaben, die längere Phasen ungestörter Konzentration benötigen

Und genau hier liegt ein Punkt, der in der Diskussion über Homeoffice gerne untergeht:

Nicht jede Arbeit braucht Menschen im selben Raum

Manche Aufgaben brauchen Austausch. Andere brauchen vor allem Ruhe.

Was das Homeoffice wirklich braucht:

Homeoffice ist kein Selbstläufer. Wer keine klare Tagesstruktur hat, kann sich genauso gut im Homeoffice verlieren.

Hybrides Arbeiten bedeutet nicht automatisch: Laptop aufklappen, Kaffee danebenstellen und los geht’s.
Damit es funktioniert, müssen Unternehmen und Mitarbeitende ihren Teil dazu beitragen.

Für Mitarbeitende bedeutet das vor allem:

  • Eine feste Arbeitsstruktur schaffen
  • Prioritäten setzen
  • Pausen einplanen
  • Arbeitszeiten einhalten

Für Unternehmen bedeutet es:

  • Vertrauen statt Dauerüberwachung
  • Klare Kommunikation
  • Verbindliche Erreichbarkeiten
  • Gute digitale Werkzeuge

Und vor allem:

Ergebnisse bewerten, nicht die Anzahl der Stunden, in denen jemand im Büro sichtbar ist.

Denn ein Mitarbeiter, der acht Stunden am Schreibtisch sitzt, ist nicht automatisch produktiver als jemand, der sechs konzentrierte Stunden zu Hause arbeitet.

Die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten, wird von vielen Mitarbeitenden positiv bewertet. 77 Prozent der Befragten empfinden die Möglichkeit, zwei bis drei Tage pro Woche im Home-Office oder an dritten Orten zu arbeiten, als positiv. 87 Prozent würden bei einem Stellenwechsel nur eine Stelle wählen, bei der Home-Office möglich ist. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 10)

Und was ist mit dem Team?

Hier bekommt das Homeoffice seine vielleicht größte Herausforderung.

Ein Projekt lässt sich nicht immer komplett über Chat, E-Mail und Videokonferenz abbilden. Manche Ideen entstehen eben doch schneller, wenn mehrere Menschen gemeinsam an einem Tisch sitzen.

Die Zusammenarbeit innerhalb von Teams funktioniert gemäss IAP Studie insgesamt gut. 95 Prozent der Befragten geben an, sich auf die Unterstützung ihrer Teamkolleginnen und Teamkollegen verlassen zu können. Gleichzeitig berichtet rund ein Drittel von einer schwächeren Teambindung, seit mehr ausserhalb des Büros gearbeitet wird. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 15–16)

Eine Herausforderung zeigt sich beim Austausch über Teamgrenzen hinweg. 44 Prozent der Befragten geben an, über wenig Informationen zu Produktentwicklungen und Prozessoptimierungen anderer Teams zu verfügen. (Quelle: Majkovic et al., 2023, S. 25)

Der kurze Austausch auf dem Flur kann wertvoll sein. Ein gemeinsames Brainstorming ebenfalls. Und auch die soziale Komponente sollte nicht unterschätzt werden.

Menschen arbeiten schließlich nicht nur mit Aufgaben, sondern miteinander.
Deshalb muss die Frage vielleicht gar nicht lauten:

„Homeoffice oder Büro?“

Sondern:

„Welche Arbeitsform passt zu welcher Aufgabe?“

Wir sind uns sicher: Die Mischung macht’s!

Genau hier könnte das hybride Arbeiten ins Spiel kommen.

Einige Tage im Büro für Austausch, Meetings, Teamarbeit und gemeinsame Projekte. Andere Tage zu Hause für konzentriertes Arbeiten, Aufgaben mit hohem Fokusbedarf oder einfach für mehr Ruhe.

Das klingt zunächst ziemlich logisch.

In der Praxis funktioniert es allerdings nur, wenn die Spielregeln klar sind:

  • Wer sitzt wann wo?
  • Welche Meetings finden vor Ort statt?
  • Was muss wirklich gemeinsam gemacht werden?
  • Wann ist jemand erreichbar?
  • Und wann darf die Bürotür, beziehungsweise der Laptop, einfach einmal geschlossen bleiben?

Homeoffice kann die Konzentration verbessern, Zeit sparen und Mitarbeitern mehr Flexibilität geben. Es kann aber auch zu Isolation, fehlender Abgrenzung oder Kommunikationsproblemen führen.
Das Büro wiederum bietet Austausch, spontane Zusammenarbeit und soziale Nähe. Gleichzeitig kann es genau das Gegenteil von konzentriertem Arbeiten bedeuten, wenn ständig jemand etwas möchte.

Nach Jahren, in denen Homeoffice für viele Unternehmen vom Ausnahmezustand zur ganz normalen Arbeitsform geworden ist, holen zahlreiche Firmen ihre Mitarbeiter wieder zurück ins Büro. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: mehr persönlicher Austausch, bessere Zusammenarbeit, eine stärkere Bindung ans Unternehmen – und manchmal schlicht der Wunsch, dass ein Büro nicht leer steht.

Bei den Mitarbeitern stößt diese Entwicklung allerdings nicht überall auf Begeisterung. Der Unmut ist teilweise groß. Denn wer sich einmal daran gewöhnt hat, sieht den Weg zurück ins Büro möglicherweise etwas anders.

FAZIT

Vielleicht müssen wir gar nicht darüber diskutieren, ob Homeoffice oder Büro besser ist.
Wir sollten uns fragen, wie wir  am besten arbeiten können.
Manche Aufgaben brauchen Ruhe. Manche brauchen Austausch. Manche brauchen beides, nur nicht unbedingt zur gleichen Zeit.

Ein guter Arbeitstag muss deshalb nicht daran gemessen werden, wie viele Menschen gleichzeitig im Büro sitzen, sondern daran, was am Ende dabei herauskommt.
Und wenn das Ergebnis am heimischen Schreibtisch genauso gut oder sogar besser ist, darf die Frage erlaubt sein:

Muss man dafür wirklich im Büro sitzen?

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